Zum 75. Todestag von

Pastor Otto Prein

geboren am 12. November 1867 in Husen bei Methler
gestorben am 28. April 1945 in Erpen bei Dissen (Teutoburger Wald)
er war verheiratet und hatte 3 Kinder

Otto Prein war vom 17. Januar 1906 bis zum 30. April 1936 Pastor in unserer Gemeinde.

Sommer 1905

Bevor Herr Prein eingeführt wurde, gab es eine Pastorenwahl. Viele Gemeindeglieder hätten gerne den Hilfsprediger Gravenstein als zukünftigen Pastor gesehen, der in den zwei Jahren, nach der Erkrankung von Pastor Hilgemann (1905), die Vakanz übernommen und das Vertrauen der Gemeindeglieder gewonnen hatte. Als die Stelle trotzdem ausgeschrieben wurde, bewarben sich sechs Kandidaten. Der Patron, Fürst Gustav, berief schließlich Pastor Prein in dieses Amt. Daraufhin versammelten sich ca. 200 Mitglieder unserer Gemeinde und richteten schriftlich an Herrn Pastor Prein die Bitte, auf die Bestätigung durch den Fürsten, zugunsten des Herrn Pastor Gravenstein verzichten zu wollen, um Spaltungen in der Gemeinde zu verhindern.

Pastor Otto Prein lehnte dieses Ansinnen “nach reiflicher Überlegung“ ab. Trotz weiterer Proteste wurde er wurde am 20.November1905 berufen. Am Dienstag, dem 16.01.1906, traf er in Hohenlimburg ein. Mehrere Mitglieder des Presbyteriums begrüßten ihn am Bahnhof und geleiteten ihn in seine zukünftige Amtswohnung.

Bevor Herr Prein nach Hohenlimburg kam, war er Pfarrer in der evangelischen Gemeinde Methler. Dort war er bekannt als „der Pfarrer mit dem Spaten“. Er hatte wesentlichen Anteil an der Entdeckung der Römersiedlung in Oberaden. Der Forschung ist er immer treu geblieben. Auch von Hohenlimburg aus setzte er seine Forschungen und Veröffentlichungen fort.

17. Januar 1906

Am anderen Morgen wurde er in der Kirche, in einem feierlichen Gottesdienst begrüßt. Die Liturgie hielt Pastor Winkelmann (Elsey), und Superintendent Pickert führte den neuen Pfarrer in sein Amt ein. Für die darauffolgende Antrittspredigt hatte der neue Pfarrer die Bibelstelle 2. Kor. Vers 4 gewählt: „Darum, weil wir dieses Amt haben, nach der Barmherzigkeit, die uns widerfahren ist…“. In seiner Predigt machte er die Pflichten eines Pfarrers deutlich und versprach den Zuhörern, mit Gottes Hilfe nach besten Kräften in der Gemeinde zu wirken. Die Kirche war an diesem Tag bis auf den letzten Platz gefüllt (so berichtete die Zeitung „Der Gemeinnützige“ am Mittwoch darauf).

In den ersten Monaten in seiner neuen Gemeinde besuchte er alle Familien und führte Buch darüber. Er wusste über jede „Mischehe“ Bescheid. Außerdem befasste er sich mit zwei Jahrgängen des kirchlichen Unterrichts, wahrscheinlich in der Wesselbachschule.

1908

Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten konnte am 1.Oktober, zum Erntedankfest, die Kirche wieder benutzt werden. Seit dieser Zeit sind die Orgel und die Kanzel weiß lackiert und haben eine Goldverzierung. An der Rückwand der Kanzel wurde eine Malerei durch eine Decke aus blauem Samt ersetzt, und die Fenster bekamen neue Vorhänge. Die Kirche strahlte eine freundliche Stimmung aus, die von Klarheit und Helligkeit geprägt wurde. Einfachheit und vornehme Würde gaben der Kirche ein neues Gesicht. Zu der Zeit suchten die Menschen in der Kirche Kraft und Segen für die Sorgen und Mühen, für die Unruhen, Ängste und Hungersnöte.

Erster Weltkrieg (1914 – 1918)

Anfangs waren die Kirchen zu Kriegsgebetsstunden voll, doch das änderte sich mit der Dauer des Krieges. 300 Soldaten aus unserer Gemeinde waren eingezogen worden. Der Pfarrer schickte ihnen anfangs alle sechs Wochen und später alle zwei bis drei Monate Briefe mit persönlicher Ansprache, Nachrichten über die Gemeinde und gedruckte Predigten zu. Später hatte er die schwere Aufgabe, Todesnachrichten in die Familien zu bringen. Das Presbyterium plante, am 12.12.1918 die heimkehrenden Soldaten mit einem Gottesdienst in einer würdig geschmückten Kirche zu begrüßen. Für die 86 Gefallenen unserer Gemeinde sollte es eine besondere Ehrung geben.

Mit dem Frankfurter Glasmaler Professor Otto Linnemann entstand in mehreren Arbeitsgesprächen die Idee, in die drei Kirchenfenster zur Freiheitstraße hin, die Kriegerehrung einzufügen.

23. Oktober 1927

Der Andrang zum Gottesdienst zur Einweihung der Kirchenfenster war so stark, dass viele keinen Platz mehr fanden. Es sollen 560 Personen den Festgottesdienst gefeiert haben, „die denkbare Höchstzahl – alle Stehplätz mit eingerechnet, die die Kirche fassen kann“. Militärische Vereine mit Fahnenabordnungen, prominente Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes und das Fürstenhaus, vertreten durch Fürstin-Mutter und Prinzessin Margarete nahmen an dieser Kriegerehrung teil. Pastor Prein legte Joh. 14 Vers 6 aus: “Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ Durch den Kirchenchor wurden die Lieder: „Wie heilig ist diese Stätte“ und „Mitten wir im Leben sind, von dem Tod umgeben“ sehr wirkungsvoll vorgetragen. Mit folgendem Weihespruch übergab er dann die Ehrung der Gemeinde, die stehend den feierlichen Augenblick erlebte:

„Nun wollen wir uns anschicken, diese Kriegerehrung zu weihen und richten in treuer Liebe und Dankbarkeit unseren Blick auf die 86 Namen der Heldensöhne unserer Gemeinde, die ihr Leben für unser Leben ließen. Im Auftrage des Presbyteriums übergebe ich, zugleich mit dem Ausdruck innigsten Dankes für alle opferfreudigen Stifter, die Kriegerehrung hiermit der evangelischen Gemeinde Hohenlimburg und ihrem besonderen Schutze. Wir widmen den Unbesiegten unsere Kränze als ein besiegtes Volk; aber in der siegesgewissen Hoffnung, dass unser Weg wieder der Sonne zuführen wird, wenn der Geist todesmutiger Opferfreudigkeit auch uns beseelt: Niemand hat größere Liebe, denn die, dass er sein Leben lässet für seine Freunde“. „Jesu, hilf siegen und lass mirs gelingen, dass ich das Zeichen des Sieges erlang; so will ich ewig dir Lob und Dank singen, Jesu, mein Heiland, mit frohem Gesang. Wie wird dein Name da werden gepriesen, wo Du, o Held, Dich so mächtig erwiesen. Amen“.

Zum Abschluss sang die Gemeinde das Lied: „Großer Gott wir loben Dich“.
Am 11.11.1927 teilt das Presbyterium mit, dass die Eingänge freiwilliger Gaben für die Kriegerehrung 3700 Mark erreicht haben. Während das erste Fenster von den Angehörigen der Gefallenen geschenkt wurde, sind die anderen von den Frauenhülfen und anderen kirchlichen Vereinen gestiftet worden.

16. Januar 1931

Pastor Prein feierte sein 25-jähriges Ortsjubiläum und war weiten Kreisen als geschätzter Kanzelredner und Kenner der Kirchengeschichte bekannt. Darüber hinaus kannte man ihn als Altertumsforscher. Sein Buch „Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht“, das im Jahr 1930 herausgegeben wurde, machte ihn zu einem verdienstvollen Forscher, der in der ganzen westfälischen Heimat und darüber hinaus bekannt wurde.

In der folgenden Zeit, in der die Nationalsozialisten an Macht gewannen, geriet auch unsere Gemeinde immer mehr unter den Druck der Gleichschaltung. Das Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung und die Machtergreifung Adolf Hitlers wurde nicht selten als von Gott herbeigeführt begrüßt. Anfangs war der Zulauf zu den „Evangelischen Nationalsozialisten“, die sich bald „Deutsche Christen“ (DC) nannten, noch gering, aber das änderte sich 1933 deutlich. Für die deutschen Christen offenbarte sich Gott nicht nur in der Bibel sondern auch in der Person des Führers. Zum Gottesdienst marschierten die Ortsgruppen mit Standarte ein. (Die Halterungen für die Standarten wurden bei einer späteren Renovierung entfernt.) Pastor Prein erkannte die Zeichen der Zeit und trug im Mai 1933 dem Presbyterium seine Einschätzung vor. So kam es am 20.06.33 zu einem Sonderbeschluss mit der Konsequenz, dass sich die Gemeinde nicht nur gegen die Unterordnung unter einen Reichsbischof entschied, sondern sich auch wieder zu ihrer reformierten Vergangenheit bekannte. Am 23.07.1933 hatten die DC in unserer Gemeinde ohne Wahl fünf von sechs Presbytersitzen erhalten. (Staatliche Anordnung deutschlandweit durch die Nationalsozialisten). Danach wollten sie auch die Kirche für ihre Zwecke nutzen. Pastor Prein versuchte dagegen zu steuern. Doch er musste resigniert erklären: “Sie haben den Macht“.

05. April 1936

Mit großer Spannung erwartete die Gemeinde die letzte Konfirmation Pastor Preins. Es ist bis heute langgepflegte Tradition, dass die Konfirmanden nach ihrer Einsegnung zur Bekräftigung ihres Gelübdes den Presbytern die Hand geben. Wie würden diese Konfirmanden reagieren? Würden sie den DC-Presbytern die Hand geben? Der Superintendent hatte tags zuvor die DC-Presbyter aufgefordert, an diesem Gottesdienst nicht teilzunehmen. Doch die Bitte war vergebens. Die fünf Presbyter erschienen nicht nur zum Gottesdienst, sondern sie standen auch zusammen mit dem Kirchmeister Quade (Bekennender Christ) auf, um den Handschlag jedes Konfirmanden entgegenzunehmen. Es geschah, was viele nicht für möglich gehalten hatten: Die Konfirmanden reichten dem Kirchmeister Quade ihre Hand und verweigerten sie aber den fünf DC-Presbytern. Pastor Prein schrieb abends in seinem Bericht an den Superintendenten: „Nun hat die Gemeinde als solche bekundet, dass sie es müde ist, sich noch länger unter Menschen zu beugen, die ihren Auftrag vergessen haben …“.

Pastor Prein war mit seinen 68 Jahren amtsmüde geworden. Er war zu sehr ein Mann des Ausgleichs und nicht des harten Durchgreifens. Seine Redlichkeit, sein christlicher Glaube und sein menschlicher Anstand verboten ihm, anders zu handeln. Die andauernden Auseinandersetzungen in seiner Gemeinde hatten auch seinen Gesundheitszustand angegriffen. Ein Forschungsauftrag der Universität Münster auf dem Gebiet der religiösen Volkskunde erlaubte ihm zum 30.04.1936 das vorzeitige Ausscheiden aus dem kirchlichen Dienst.

Pfarrer Dr. Jacobi schrieb in seiner Festschrift von 2010 zum Abschluss: “Die Gemeinde kann bis heute dankbar für seine Tätigkeit sein, auch wenn er scheinbar im Kampf gegen die DC gescheitert ist. Diese Krise gab der Gemeinde die Chance zu einem Aufbruch, dessen nachhaltige Folgen ich noch erleben konnte. Ja, ich habe davon gezehrt. Mit den meisten Hohenlimburgern kann ich von Prein nur mit Hochachtung sprechen“.

Doris Klinger

Quellen:

  • Die Festschrift „250 Jahre Evang. Reform. Kirche Hohenlimburg“ 2001 von Pastor Adams
  • Die Festschrift „400 Jahre Evang. Reform. Kirchengemeinde Hohenlimburg, 2010
    von Pastor Dr. Jacobi
  • Kopien aus der Zeitung „Der Gemeinnützige“ bzw. „Neue Hohenlimburger Zeitung“
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